Motivation für das zweisprachige deutsch-französische Lernen
Durch die Nähe zu Luxemburg und dem dort stark wachsenden Arbeitsmarkt hat sich in unserer Region – Obermosel – viel getan.
Vor allem in den Orten entlang der Mosel wurden viele Neubaugebiete erschlossen, viele Familien sind zugezogen – die meisten davon sind Grenzgänger. Das Publikum ist zunehmend international.
Aus diesem Grund und um der Mehrsprachigkeit in der Region gerecht zu werden, bietet die Grundschule nun einen bilingualen Zweig an.
Ein gut funktionierender, grenzüberschreitender Wirtschaftsraum setzt einfach die Kenntnis der Sprache des Nachbarn voraus.
Die Erziehung zur Zweisprachigkeit ist für unsere Grenzregionen somit ein Stück regionale Strukturpolitik.
Aufgrund der grenznahen Lage zu Luxemburg und zu Frankreich, möchte die Grundschule Wincheringen ihren Schülern die Chance geben, die Sprache und die Kultur der Nachbarn früh und intensiv kennen zu lernen.
Die Grundschulkinder befinden sich in einer lernbegünstigten Entwicklungsphase. Frühe Begegnungen mit einer Fremdsprache haben einen günstigen Einfluss auf das weitere Sprachenlernen.
Unsere Schüler bringen schon erste Erfahrungen in Französisch aus den Kindertagesstätten mit. Wir können an diese Erfahrungen anknüpfen.
Das Gymnasium in Saarburg bietet bilingualen Unterricht (französisch/deutsch) in gemeinschaftskundlichen Fächern ab Klasse 7 an.
Auch das Schengen-Lyzeum in Perl (eine lux./dt. Gesamtschule) setzt auf Mehrsprachigkeit, so dass unsere Schüler ihre Kenntnisse und Erfahrungen in den weiterführenden Schulen gut einbringen können.
Lernen in zwei Sprachen
Das Lernen in einer zweisprachigen Klasse orientiert sich sowohl an den Lehr- und Rahmenplänen für die jeweiligen Fächer als auch an den vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur vorgelegten Handreichungen für Grundschulen mit zweisprachigem Unterricht.
Die Kinder lernen alles, was zum Auftrag einer Grundschule gehört.
Grundprinzip ist das sachfachorientierte Sprachenlernen durch Immersion.
Die Kinder werden in ein “Sprachbad” getaucht, durch das sie unterschwellig die französische Sprache aufnehmen.
Obwohl die Schüler zu Beginn die Fremdsprache nicht verstehen, so erschließen sie sich die Sprache aus dem Sinnzusammenhang.
Das Lernen der neuen Sprache erfolgt spielerisch.
Alle Arbeitsformen, die ein solches Sprachbad zulassen, — Handlung, Gestik und Mimik der Lehrerin, authentisches Material — eignen sich zum Transport der für die Kinder noch fremden Sprache.
Regelmäßiges Wiederholen von Arbeitsaufträgen, Liedern, kleinen Gedichten, Ritualen führen dann zum Verständnis der Fremdsprache.
Die französische Sprache wird zu Beginn nur mündlich gebraucht.
Organisations- und Zeitrahmen
Die bilingualen Klassen werden von einer deutschen Lehrerin und von einer französisch sprechenden Lehrerin unterrichtet – nach dem Prinzip: eine Person – eine Sprache.
In der ersten Klasse werden sieben, in der zweiten Klasse acht Stunden pro Woche in französischer Sprache gehalten.
In der dritten Klasse unterrichten wir zur Zeit neun Stunden in französischer Sprache.
Folgende Lernbereiche werden auch in französischer Sprache unterrichtet: SU, Musik, BK und Sport.
In jeder Woche steht den beiden Kolleginnen eine Stunde zur gemeinsamen Planung — vor allem für den Unterricht im Sachfach — zur Verfügung.
Erfahrungen mit der zweisprachigen Unterrichtung
Unsere Erfahrungen basieren auf bilingualem Unterricht in der ersten, zweiten und dritten Klasse. Unsere Französischlehrerinnen sprechen wirklich fast nur in ihrer Sprache zu den Kindern — sowohl im Klassenraum, als auch während der Pause.
Jeden Tag werden die gleichen Rituale, Aufforderungen, Lob und Arbeitsanweisungen in Französisch durchgeführt. Dieses ständige Wiederholen führt schon nach kurzer Zeit zum Verständnis der französischen Sprache und gibt den Kindern Sicherheit.
Es macht Freude mitzuerleben, wie die Schüler auf Fragen in französischer Sprache in ihrer Muttersprache richtig antworten, z.B. “Comment ça va?” Das Kind antwortet ”Ça va mal, weil ich gestern gefallen bin.”
Sehr gut geholfen haben uns kleine Fahnen (Deutschland/Frankreich). Wenn die Lehrerin die kleine deutsche Fahne hochhebt, so weiß das Kind, dass es das Gehörte auf Deutsch erklären soll.
Die Schüler der zweiten Klasse beginnen, von sich aus kleine französische Sätzchen zu bilden, indem sie Wörter und Satzglieder zusammensetzen. So sagte beispielsweise eine Schülerin “Je vois une poupée sur l’armoire.”
Gemalte Bilder, bekannte Lieder, fertige Arbeitsblätter werden in ein großes, original französisches Heft eingeklebt und dort gesammelt.
Natürlich wird zu bestimmten Zeiten der individuelle Lernfortschritt der Kinder durch die Kinder selbst im Sprachenportfolio dokumentiert.
Es ist uns wichtig, dass wir die französische Sprache auch ins Schulleben hineintragen, z.B.: Beschriftung verschiedener Gegenstände und Räumlichkeiten auf Französisch.

In den Klassen beginnt der Französischunterricht mit einem französischen Begrüßungslied. Auch singen wir anlässlich des Geburtstages der Schüler ein französisches Geburtstagslied.
Soweit es stundenplantechnisch möglich ist, unterrichtet die französisch sprechende Lehrerin auch in anderen Klassen französisch integrativ.
Gerne geben wir allen Kolleginnen die Möglichkeit im Tandemunterricht zu hospitieren. So können sie sich über die Arbeit in den bilingualen Klassen informieren und die Entwicklung mitverfolgen.
Wir haben eine Partnerschule — eine école élémentaire biculturelle — in Thionville/Frankreich und seit Beginn dieses Schuljahres eine weitere Partnerschule in Dreiborn/Luxembourg.
Die Schüler der beteiligten Klassen schreiben sich oder schicken sich kleine gebastelte Objekte. Zwei bis drei Mal pro Schuljahr treffen sie sich auch an den Schulen oder an einem anderen Ort.
Integration des bilingualen Zweiges ins Schulleben
Wir legen Wert darauf, unser gesamtes Schulleben multikulturell und weltoffen zu gestalten. Daher sind wir stolz darauf, von Anfang an mit Fachkräften im bilingualen Zweig zu arbeiten.
Beiträge in französischer Sprache sind schon lange ein fester Bestandteil von Schulfesten und Feierlichkeiten.
In schulinternen Projekten stellt die bilinguale Arbeit einen nicht mehr wegzudenkenden Schwerpunkt dar, sei es im Leseprojekt, im Projekt “gesunde Ernährung”, oder im Kunstprojekt, das wir in jüngster Vergangenheit durchgeführt haben.
Alle Klassen pflegen eine Partnerschaft mit einer französischen bzw. mit einer luxemburgischen Schule. Auch Exkursionen ins benachbarte Ausland bereichern den Schulalltag unserer Schülerinnen und Schülern.
Unser gut ausgestatteter Computerraum bietet allen Kindern die Möglichkeit, sich zu informieren und auch mittels Lernprogrammen und Internet die frz. Sprache zu erlernen.
Auch in unserer Bibliothek können alle Kinder frz. Bilderbücher ausleihen und lesen.
Alle Räumlichkeiten in unserer Schule sind französisch beschriftet
Auch im Ganztagsschulbereich bieten wir unseren Kindern an, eine französische Arbeitsgemeinschaft zu besuchen.
Ansprechpartnerin und Koordinatorin für bilinguales Lernen
Frau Stefanie Baumer